Noch ein Exkurs

Emotionen

Heute habe ich die Zweite Szene des Romans von Tamara Heldmann Alias Tami Held geschrieben.

Figuren haben, wie Menschen im richtigen Leben auch, Emotionen. Die Kunst ist es, dass der Autor diese nicht einfach benennt (traurig, verzweifelt, verärgert, wütend), sondern so beschreibt, dass der Leser, der den Text nicht kennt, sofort in die Emotion hineingezogen wird. „Show don’t tell“ (Zeigen nicht erzählen), wird das im Autorenjargon genannt.

Wenn der Erzähler die Emotionen einer anderen Figur, die ihm gegenüber sitzt beschreibt, macht er das anhand der Mimik, Gestik und der Körperhaltung der anderen Figur.
Schwierig wird es dann, wenn, wie in der von mir geschriebenen Szene, die andere Figur, deren Emotion vom Erzähler beschrieben wird, nicht anwesend ist. Im konkreten Fall erhält der Erzähler einen Anruf von der Figur, deren Gefühl er beschreibt. Die Perspektivfigur muss sich hier nur auf die akustisch wahrnehmbaren Signale der anderen Figur verlassen.
Bei Unklarheiten bleiben seine Fragen offen. Interpretationen können hier oft irreführend sein.

Im Großen und Ganzen aber geben, wie uns Forschungsbefunde aus der Psycholinguistik zeigen, die akustisch wahrnehmbaren Signale viele

Hinweise auf die Verfassung einer Figur. Steht zum Beispiel jemand unter enormer Anspannung, ist es ihm nahezu unmöglich, den Atem, die Sprechpausen, den Tonfall und die Wortwahl zu unterdrücken. Ein geübter Zuhörer erkennt sofort, in welcher Verfassung der Sprecher sich befindet und ist in der Lage, die Emotionen anhand der Merkmale, wie etwa Tonhöhe, Sprechgeschwindigkeit, Atemfrequenz, Sprechpause, Schlucken, zu beschreiben und zu benennen.

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